Damals sind viele Landsleute auf dem Gebiet Omsk, Akmolinsk Uesd-(Kreis Zentrum) angekommen. Johannes und seine Charlotte hatten sich in Gnadenreich (Konyr-Tobe) bei Karaganda niedergelassen.
Die neuen Siedler bewirtschafteten die kahle Steppe und wandelten sie in fruchtbares Ackerland. Der Fleiß und die Zielstrebigkeit der deutschen Siedler verhalfen dem Dorf schnell zu Wohlstand, verglichen mit den damaligen Verhältnissen. Seit 1910 war die Siedlung das Zentrum von mehreren kleineren landwirtschaftlichen Gemeinden und trug den Namen Dolinskoje http://www.etomesto.ru/map/base/103/akmolinskaya-1914-yakovenko.jpg Johannes und Charlotte führten einen Bauernhof. In den Jahren 1910 und 1911 wurden die ersten Söhne Emanuil und Alexander und 1916 wurde Tochter Paulina geboren. Das Leben war nicht einfach. Die Trockenzeit im Sommer konnte in manchen Jahren den Ertrag auf den Felder ruinieren. Zudem war die politische Situation sehr angespannt. Als die Rote Armee mehr Macht erlangte, mussten sich die deutschen Siedler, so wie auch andere, anpassen und die neue Regel annehmen. 1917 ordnete die neue Regierung eine Volkszählung im Landwirtschaftlichen Raum an. In dieser Volkszählung sind der Aufenthaltsort und der Familienstand unseres Uropas Johannes bestätigt. Auszug aus der Volkszählung des Dorfes Dolinskoe (Gnadenreich) Hof-Card N139, Hammer Johannes*1885, V. Konrad, F*1887, S.7, S5, Br.17, T. 0. In Gnadenreich seit 1909. Hammer Johannes*1885, Frau Charlotte Treiße*1887, Sohn Emanuil*1910,Sohn Alexander*1911, Tochter Paulina*1916, Bruder 17 Jahre
Frau Charlotte Treiße 1887Tochter Paulina Hammer*1916
Unklar bleibt, ob es einen damals 17 Jährigen Bruder Konstantin gab, oder ob dies eines den drei Kindern von Onkel Friedrich Hammer war. Bis jetzt ist uns nicht auch bekannt, wann die Familie von Friedrich Hammer *1872, nach Gnadenreich gekommen ist. Sie sind in der Volkszählung im Gebiet Gnadenreich nicht erfasst worden. Möglicherweise haben sie zuerst in einer anderen Gemeinde gewohnt oder sind später nach Kasachstan ausgewandert. Nach der Aussage von Verwandten, sind Friedrich und seine Frau früh verstorben. Ihre 3 Kinder wurden von anderen Familien aufgenommen. Über das Schicksal von Friedrichs Familie wird ein extra Bericht verfasst. Politische Unruhen, Überfälle von Banden und weitere Ungewissheiten führten dazu, dass viele Familien weiter zogen. Die sich ausbreitenden Krankheiten kosteten vielen Menschen das Leben. Es traf auch unsere Großeltern. 1919 (keine genaue Daten) ist Großmutter Charlotte an einer Lungenentzündung gestorben. Der Uropa Johannes war nun Witwer mit drei kleinen Kindern ( Söhne Emanuil*1910 und Alexander*1911,Tochter Paulina*1916). Er heiratet ca.1920 seine zweite Frau Amalia Herd. Sie bekamen zwei Kinder: Sohn Friedrich*1921 und Tochter Maria*1923
Friedrich Hammer Johannes und Amalia Hammer Maria Hammer 1921-1942 1925 starb unser Uropa Johannes Hammer, Vater von 5 Kindern. Emanuil war 15, Alexander 14 und Paulina 9. Als ihr Vater starb, wurden sie Vollwaisen. Es gibt keine Informationen darüber, wie es ihnen ging. Die Situation war jedoch sicher schwer. Die Witwe Amalia heiratet anschließend am 10.10.1927 Friedrich Stricker*1895 aus Gnadentau.
Laut der Information von Familie Stricker hatten der Aleksander und Paulina bei der Stiefmutter gelebt bis sie selbständig wurden.
Emanuil, unseren Opa hatte schon alleine gelebt. Er heiratete 1930-31 die EmiliaMüller 08.03.1910 aus Gnadenreich
Der Aufbau einer eigenen Familie hat mit dem Umzug angefangen. Die Regierung veranlasste das Dorf Dolinka für den Bau einer weiteren GULAG zu enteignen. Die Einwohner sind einfach an einem anderen Ort bei Tokarewka am Fluss Scherubei-Nura angesiedelt worden. (siehe oben Foto) (https://wiedergeburt-kasachstan.de/gnadenfeld-dolinka-konyrtobe/)
Dort wurde ein neuer Kolchos Thelmann gegründet. Schon nach kurzer Zeit entstand ein neues Dorf Novodolinka. In einem Jahr wurde schon eine Schule gebaut, diese wurde von vielen Kindern aus allen nahe gelegenen Siedlungen besucht. Zur Info das Buch von Popov auf Kyrillisch) Der Opa erlernte den Beruf als Kraftfahrer, dann ging es der jungen Familie besser. Sie hatten zwei Töchter Nathalia und eine weitere Töchter, die leider beide als Kinder starben. Der Sohn Alexander wurde am 17.08.1937 geboren.
Alexander Hammer*1911 Paulina Hammer*1916 Julianna Riemer*1910 Heinrich Miller*1912
Die Schwester Paulina und der Bruder Alexander von meinem Opa heiraten auch in diesen schwierigen Zeiten. Damit begann jeder seinen eigener Lebensweg (es gibt eine extra Beschreibung)
Das ruhige Leben dauerte nicht lange. Schon seit 1934 hatte der Bau eines Dammes an Fluss Nura begonnen. Für die Flutung des Stausees 1939 musste ein paar Dörfer leiden, darunter auch Nowodolinka. http://www.etomesto.com/map-kazakhstan_akmolinskaya-oblast_1905/
Die Bewohner mussten schon nach kurzer Zeit die neu aufgebauten Siedlungen zurücklassen und weiterziehen. 1939 begann der Umzug an einen neu zugewiesener Ort des Karaganda Gebiet, Kreis Erkenschilik. Der Ort lag etwa 25 km von der Siedlung Pawlowka (Erkenschilik) sowie einem größeren landwirtschaftlichen Betrieb Blagodatnoje entfernt. Der Umzug dauerte zwei Jahre. Im Herbst 1940 sind die letzten Familien samt Vieh in der Kolchose angekommen. Zu Beginn sind schnelle, einfache Erdhütten und Baracken entlang dem Fluss Karasu errichtet worden. Mit etwas Hilfe des Staates und viel eigener Kraft ist der Aufbau von Betrieben und Unterkünften gut vorangekommen. Gerade als man erste Erfolge sah, begann am 22 Juni 1941 der Zweite Weltkrieg. Das war auch für unsere Vorfahren ein schlimmer Einschnitt. Viele der Männer die schon am 1940 und am Winter 1941 einberufen wurde, geraten an den vorderster Front und kamen nicht mehr zurück. Einer von ihnen war Friedrich Hammer, der Stiefbruder von unseren Opa. Vor und während des Krieges litt das Volk der Auswanderer unter Stalins Regime und seinen Verfolgungsjagden. Viele Familien wurden auseinandergerissen. Nach meist unbegründeten Beschuldigungen wurden Männer und Frauen verschleppt. Einer von vielen Verschleppten war auch der Opa Emanuil. Am 04.07.1941 wurde er verhaftet und am 30.08.1941 als Feind des Volkes verurteilt.
Er hat dabei 6 Jahre Gefängnis bekommen und ist nicht mehr zurückgekommen. Bei der Suche nach seinem Verbleib haben wir herausgefunden, dass er in einem Massengrab bei Krasnojarsk in Sibirien beerdigt ist. Als der Krieg voll in Gange war, sind Männer und Frauen zwischen 17 und 50 Jahren in eine Trudarmee (Arbeitsarmee) geholt und verschleppt worden.
Trudarmee in Bilder
Ab 1954, nach Stalin's Tod, sind viele von Ihnen krank und traumatisiert heimgekommen; andere sind bereits unter den Strapazen gestorben und nicht mehr zurückgekehrt. Info in Kyrillisch https://geschichte.rusdeutsch.ru/21/637 Siehe Foto in der Galerie Die Lage in dem Land stabilisiert sich. Am 13.12.1955 sind die Rechte der Deutschen zum Teil wiederhergestellt worden. Jetzt konnten sich die Deutschen und andere deportierte Bevölkerungsschichten wieder ohne Überwachung frei bewegen . Das wichtigste war, wieder mit der eigenen Familien zusammenzukommen. Die Oma Emilia hatte vergeblich bis 1949 gewartet, dann heiratet sie den Heinrich Rein*1910. Heinrich Rein hatte auch schon drei erwachsene Söhne: Heinrich, Jakob, Georg.
Die Oma hatte 1951 eine Tochter Nathalia geboren. Dem Vater ging es in dieser Familie nicht besonders gut. Die Reiberei mit den älteren Stiefbrüdern brachte es so weit, dass er sich früh einen selbstständigen Weg einschlug. Er arbeitete in der Kolchose als Hilfsarbeiter. Später eroberte er mit Fleiß die Kenntnisse von verschiedene Maschinen und Technik für der Landwirtschaft und erlernte zusätzlich den Beruf als Schmiede. Schon 1954 heiratete er mit 17 Jahren die Elsa Stieben. Unsere Mutter wurde an der Wolga im Dorf Franzosen 09.09.1935 geboren. 1939 kam sie mit ihre Eltern Stieben Jakob*24.11.1909 und Emilia*07.05.1907 (geb. Kufeld) nach Novodolinka.
1955 wurde der erste Sohn Alexander geboren, leider ist er als Kind mit 7 Monaten durch Lungenentzündung gestorben. Die Mutter hatte als Reinigungskraft, Köchin, im Kindergarten und selbstverständlich als Saisonarbeiterin in der Landwirtschaft gearbeitet. Grundsätzlich war sie Hausfrau und kümmerte sich um ihre 10 Kinder. Alle zehn Kinder wurden erwachsen, lernten, machten Ausbildungen und gingen schließlich ihrer eigenen Wege.
Zwischen 1989 und 1993 ist die Familie von Alexander und Elsa Hammer in die Bundesrepublik Deutschland ausgewandert. Ihre neue Heimat ist jetzt der Großraum Reutlingen in Baden-Württemberg geworden. Die Kinder sind mit den gewissen Strapazen des Umzugs und der Integration zurechtgekommen und haben sich gut eingelebt. Nach schwerer Krankheit sind die Mutter mit 66 Jahren und der Vater mit 75 gestorben. Leider sind auch zwei von den jüngsten Kindern viel zu früh von uns gegangen: der Friedrich mit 45 und der Robert mit 52 Jahren